Corona Folgen ernst nehmen: Warum Betriebsräte gerade jetzt hingucken müssen!

Die wenigsten Menschen schenken psychischen Erkrankungen eine große Bedeutung. Das wir sie nicht sehen können, trägt sicherlich dazu bei. Überlegen Sie mal, wie viele Menschen Sie kennen die täglich rauchen. In Deutschland sind es ca. 17,49 Millionen (statista, 2015). Genauso viele Menschen erkranken statistisch gesehen jährlich an einer psychischen Erkrankung (DGPPN, 2020). Das bedeutet, dass einer von vier Menschen jedes Jahr psychisch erkrankt. Aktuellen Studienergebnissen nach sind diese Zahlen durch die Corona Pandemie signifikant angestiegen. Betriebsräte können im Rahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes helfen – die Frage ist nur: Wie genau? Und: Wollen Sie die Augen verschließen oder betroffene Kollegen* unterstützen?

Warum sollten Betriebsräte sich gerade jetzt – zur Zeit der Pandemie - im Bereich psychische Gesundheit für die Kollegen einsetzen?

Weil es nie dringender war als heute!  

Eine fehlende Tagesstruktur, soziale Isolation und Angstgefühle stellen Menschen mit als auch ohne psychische Erkrankungen zur Zeit der Pandemie vor eine große Herausforderung. Das zeigt sich z. B. an der Anzahl an Krankschreibungen, die die KKH in Deutschland aufgrund von psychischen Erkrankungen ausgestellt hat. Während es im ersten Halbjahr 2020 26.700 Krankmeldungen waren, waren es im Vorjahreszeitraum noch 14.600. Somit gab es rund 80% mehr Krankschreibungen aufgrund von psychischen Beschwerden, die z. B. auf die mit der Pandemie einhergehenden Existenzängste, Arbeitsplatzverluste, Kurzarbeit oder Furcht vor einer Corona Erkrankung zurückzuführen sind (KKH, 2020).  

Aktuelle Studien belegen den statistisch signifikanten Anstieg psychischer Erkrankungen in der Bevölkerung. Insgesamt zeigen die Studien einen statistisch bedeutsamen Anstieg psychischer Belastungen und Erkrankungen sowohl weltweit als auch in Deutschland. So fühlen sich in Deutschland ca. 65 von 100 Menschen psychisch belastet – vor der Pandemie waren es 39 von 100 Menschen. Mindestens jeder zweite leidet statistisch betrachtet also unter den Folgen der Corona Pandemie. Die meisten Betroffen weisen überwiegen depressive Symptome bzw. Ängste auf oder erleben ein allgemein vermindertes Wohlbefinden (Ravens-Sieberer et al., 2021). Neben der Zunahme psychischer Belastungen steigen auch die Risiken an einer Depression oder Angststörung zu erkranken. Die Krankheitshäufigkeiten (Prävalenz) sind um 10 bzw. 7 % gestiegen (Bäuerle et. al., 2020).  

Welche Konsequenzen gibt es für den Arbeitsalltag?

Auch, wenn die Pandemie einen weitreichenden Einfluss auf unser Privatleben hat, erleben viele Beschäftigte in ihrem beruflichen Alltag ebenfalls vermehrt Belastungen durch überlange Arbeitszeiten, veränderte Arbeitsbedingungen oder Arbeitsplatzunsicherheit, die durch die Pandemie hervorgerufen wurden. Die neuen Stressoren sind vielfältig: Von familiären Doppelbelastungen im Home-Office, die wahre Jonglier-Künstler erfordern bis hin zu vollkommen fehlende Tagesstrukturen und Isolation durch Kurzarbeit. Hinzu kommt, dass Belastungen, die es vor dem Beginn der Pandemie bereits am Arbeitsplatz gegeben hat, jetzt kaum noch durch Ressourcen und positive Erlebnisse in der Freizeit ausgeglichen werden können. Durch den Wegfall vieler Ressourcen, wie z. B. das Treffen von Freunden und Familie, der Gang ins Fitnessstudio, der Besuch von Restaurants, Bars, Kinos oder Konzerten fällt es immer schwerer Belastungen auszugleichen. Dinge, die bei der Arbeit vor der Pandemie aushaltbar waren, können plötzlich als kaum aushaltbar wahrgenommen werden. Und: Je länger die Pandemie anhält, umso schwerer wird das Aushalten dieser negativen Stressoren-Ressourcen Balance.   

Wie können Betriebsräte helfen?

EWALD & Partner GbR - Psychische Belastung

Zentral ist, dass Betriebsräte aktiv gegen die Folgen der Corona Pandemie für die mentale Gesundheit der Kollegen vorgehen und ihre Mitbestimmungsrechte auch wirklich nutzen.

 Sie sollten unbedingt Maßnahmen der Verhältnisprävention und Verhaltensprävention durchführen sowie eine allgemeine Aufklärung und Stabilisierung betreiben.  

Unser Tipp: Führen Sie systematisch und kontinuierlich Gefährdungsanalysen durch! Selbst einfache Tipps (Soziale Kontakte pflegen, gesunden Lebensstil beibehalten, Tagesstrukturen finden, etc.), die jeder Arbeitnehmer nutzen könnte, um sein Wohlbefinden zu steigern, können für Betroffene einen großen Unterschied machen. Berücksichtigen Sie auch die aktuellen Ergebnisse psychologischer Studien und sowie die Angebote klinischer Psychologen, deren Effektivität gut belegt ist und die in der Umsetzung für den Betriebsrat keine große Arbeit darstellen.  

Schließlich ist es gerade in dieser Zeit wichtig füreinander da zu sein und sich zu unterstützen, wo es nur geht. Betriebsräte haben die Chance eine Vorbildfunktion einzunehmen, gegen die problematischen psychischen Belastungen vorzugehen und den Zusammenhalt der Belegschaft zu stärken. 

Webinar: Psychische Belastungen durch die Corona Pandemie

Lernen Sie warum psychische Belastungen durch die Corona-Pandemie entstehen und welche Aufgaben und Pflichten dem Betriebsrat im Rahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zukommen. Wir stellen praxisorientiert  konkrete Maßnahmen vor, um Ihnen die Arbeit so einfach wie möglich zu machen!

EWALD & Partner GbR - Personalabbau

Zusammenfassung

  • Einer von vier Menschen ist jedes Jahr psychisch erkrankt. 
  • Egab rund 80% mehr Krankschreibungen aufgrund von psychischen Beschwerden 2020 als im Jahr zuvor!
  • Es fühlen sich in Deutschland ca. 65 von 100 Menschen durch Ihre Arbeit psychisch belastet.
  • Wesentlich sind auch die neuen Stressoren, wie die familiäre Doppelbelastung im Home-Office. Aber auch die Sorge um den Arbeitsplatz und die Angst vor der Krankheit. 
  • Gleichzeitig kaum Möglichkeiten die Belastung in der Freizeit zu kompensieren.
  • Tipp: Führen Sie systematisch und kontinuierlich Gefährdungsanalysen durch! Für den Arbeits- und Gesundheitsschutz, aber auch für Ihren Betrieb, der Sicherung Ihres Arbeitsplatzes! 
  • Machen Sie sich schlau, engagieren Sie sich und arbeiten Sie intensiv an der Bewältigung dieser Krise mit! 

       

      Quellen

      BAGM (2020), Betriebsrat Aufgaben und Rechte im Arbeits- und Gesundheitsschutz. http://www.bagm.de/download/Betriebsrat_Aufgaben.pdf  

      Bäuerle, A., Teufel, M., Musche, V., Weismüller, B., Kohler, H., Hetkamp, M., … & Skoda, E. M. (2020). Increased generalized anxiety, depression and distress during the COVID-19 pandemic: a cross-sectional study in Germany. Journal of Public Health, 42(4), 672-678. 

      DGB Rechtsschutz GmbH (2018). Mitbestimmung des Betriebsrats beim Gesundheitsschutzhttps://www.dgbrechtsschutz.de/recht/arbeitsrecht/betriebsraete-und-personalraete/themen/beitrag/ansicht/betriebsraete-und-personalraete/mitbestimmung-des-betriebsrats-beim-gesundheitsschutz/details/anzeige/, Abgerufen am 19.03.2021. 

      DGPPN, 2020. Basisdaten Psychische Erkrankungen. https://www.dgppn.de/_Resources/Persistent/a2e357dac62be19b5050a1d89ffd8603cfdb8ef9/20201008_Factsheet.pdf, Abgerufen am 18.03.2021. 

      KKH (2020). Krankenstand explodiert – vor allem bei den Frauen. https://www.kkh.de/presse/pressemeldungen/krankenstand-corona, Abgerufen am 18.03.2021. 

      Ravens-Sieberer, U., Kaman, A., Erhart, M., Devine, J., Schlack, R., & Otto, C. (2021). Impact of the COVID-19 pandemic on quality of life and mental health in children and adolescents in Germany. European Child & Adolescent Psychiatry, 1-11. https://link.springer.com/article/10.1007/s00787-021-01726-5Abgerufen am 18.03.2021. 

      Statista (2015). Anzahl Raucher in Deutschland bis 2025. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/596628/umfrage/anzahl-raucher-in-deutschland/, Abgerufen am 18.03.2021. 

       

      *Aus Gründen der einfachen Lesbarkeit wird auf die geschlechtsneutrale Differenzierung, z. B. Benutzer/innen, verzichtet. Sämtliche Rollen-Bezeichnungen gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzliche für alle Geschlechter.

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