Damit Betriebsräte effizient und erfolgreich zusammenarbeiten können, sollten Positionen im Betriebsrat festgelegt werden. Welche Positionen es in Betriebsräten geben sollte und welche Aufgaben mit diesen einhergehen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Die Rolle als Betriebsratsmitglied

Die Rolle als Mitglied des Betriebsrats ist die erste Rolle, in die Interessenvertreter schlüpfen. Als Betriebsratsmitglied sind sie nicht mehr ein Teil der Belegschaft, der Gewerkschaft oder ein Arbeitnehmender, bei der Arbeit.  So wie wohl kaum ein Arbeitnehmer bei der Arbeit in der Rolle als Mutter, Vater, beste Freundin, Tourist oder Fußballspieler erscheint, sollten Betriebsräte am Arbeitsplatz zwischen den Rollen als Arbeitnehmer, Betriebsrat & Co. gut unterscheiden. Dabei sollten Sie eine Vorstellung davon gewinnen, was es bedeutet, die Position im Betriebsrat überhaupt einzunehmen – insbesondere im Kontakt mit der Belegschaft. 

Im Kontakt mit der Belegschaft nehmen Betriebsratsmitglieder z. B. die folgenden Rollen ein: 

  • Auskunftsperson:  Betriebsratsmitglieder geben Ihren Kolleg*innen häufig Auskünfte. Sie werden z. B. gefragt, wie die Kündigungsfristen aussehen, in welche Entgeltgruppe sie einsortiert werden müssten oder, ob Sie einen Anspruch auf Home-Office, Urlaub & Co. haben. 
  • Berater: Als Berater helfen Betriebsräten Ihre Kolleg*innen z. B. bei Konflikten am Arbeitsplatz oder der Durchführung bzw. Einhaltung von Arbeitszeit- oder Arbeitsschutzgesetzen. 
  • Begleiter: Regelmäßig begleiten Betriebsräte Ihre Kolleg*innen zu Gesprächen und werden in der Rolle als Begleiter aktiv. 
  • Unterstützer:  In dieser Rolle unterstützen Betriebsräte Kolleg*innen z. B. bei der Durchsetzung von Rechtsansprüchen oder beim Widersprechen einer Kündigung. 
  • Vermittler: Immer wieder werden Betriebsräte als Vermittler tätig. Wenn sich beispielsweise ein Arbeitnehmer ungerecht behandelt fühlt, kann der Betriebsrat zwischen diesem und anderen Arbeitnehmern vermitteln.  

    Immer wieder nehmen Betriebsräte auch die Rolle als Seelsorger ein, hören Kolleg*innen zu und sind für sie da. Diese Rolle ist jedoch keine Rolle, die Betriebsratsmitglieder einnehmen sollten. Es ist nicht Teil ihrer Aufgabe noch im Rahmen ihrer Kompetenz als Seelsorger für Kolleg*innen aufzutreten. Dennoch können Sie für Ihre Kolleg*innen da sein: Im Rahmen des Arbeitsschutzes ist es Aufgabe des Betriebsrats, für die psychische Gesundheit der Belegschaft zu sorgen und potenzielle Gefährdungen aufzudecken. So können Sie präventive Maßnahmen ergreifen oder für Ihre Kolleg*innen professionelle Ansprechstellen organisieren.  Mehr dazu lernen Sie in unserem Seminar Psychische Belastungen am Arbeitsplatz.

    Positionen im Betriebsrat

    Neben der Rolle als Betriebsratsmitglied gibt es weitere Rollen im Betriebsrat, die unterschieden werden können.

    Der Betriebsratsvorsitzende

    Der BR-Vorsitzende hat die gleichen Rechte wie die anderen Betriebsratsmitglieder und keine Weisungsbefugnis. Vielmehr erhält er einige zusätzliche Aufgaben und Befugnisse, wie z. B., dass er zu Betriebsratssitzungen einlädt und diese leitet, das Sitzungsprotokoll abzeichnet oder Betriebsversammlungen leitet. Idealerweise ist ein Betriebsratsvorsitzender selbstbewusst (auch in der Kommunikation mit dem Arbeitgeber) und bezieht alle Betriebsratsmitglieder gleichermaßen mit ein, auch, wenn diese neue oder andere Perspektiven bzw. Ideen einbringen (Stichwort: Offenheit). Ebenso sind eine gute Organisationsfähigkeit und hohe Motivation zur Verfolgung der betriebsrätlichen Ziele auch nicht verkehrt.

    Der Stellvertretende

    Der Stellvertretende übernimmt die Aufgaben des Vorsitzenden, wenn dieser nicht vor Ort ist und beispielsweise erkrankt ist.

    Der Protokollführer/Schriftführer

    Der Schriftführer hat die Aufgabe, Protokolle zu den Betriebsratssitzungen anzufertigen. Die Protokolle sind wichtig, um nachweisen zu können, dass die Beschlüsse, die der Betriebsrat in den Sitzungen trifft, ordnungsgemäß und rechtskräftig getroffen wurden. Wird ein Schriftführer gewählt, sollte auch ein Stellvertreter gewählt werden, falls dieser nicht vor Ort ist. Die Rolle des Schriftführers muss nicht zwangsweise vergeben werden. In diesem Fall wird die Aufgabe von mehreren oder allen Betriebsratsmitgliedern geteilt, sodass die Arbeit nicht immer an einer Person hängen bleibt. Wird kein Schriftführer gewählt, empfiehlt es sich im Voraus der Sitzungen zu klären, wer wann Protokoll führt. So wird nicht bei jeder Sitzung Zeit bei der Suche nach einem Schriftführer verloren geht.

    Die Ersatzmitglieder

    Die Ersatzmitglieder sind wie die Auswechselspieler beim Fußball. Ist ein ordentliches Betriebsratsmitglied verhindert oder aus dem Betriebsrat ausgeschieden, nimmt es den Platz des ordentlichen Betriebsratsmitgliedes ein. Wichtig ist, dass Ersatzmitglieder im zweiten Fall nicht automatisch die Funktionen des ausgeschiedenen Mitgliedes oder dessen Freistellung übernehmen.

    Die freigestellten Betriebsratsmitglieder

    In Betrieben mit mindestens 200 Arbeitnehmenden dürfen Betriebsratsmitglieder für Ihre Arbeit freigestellt werden. Freigestellte Betriebsratsmitglieder werden von ihren „normalen“ Arbeitsaufgaben freigestellt (müssen nicht mehr arbeiten) und können ihre gesamte Zeit der Betriebsratstätigkeit widmen. In Betrieben mit mindestens 200 Arbeitnehmenden brauchen Betriebsräte freigestellte Betriebsratsmitglied, um die anfallenden Aufgaben im Betriebsrat bewältigen zu können.  Wie viele Betriebsratsmitglieder freigestellt werden können, hängt von der Größe des Betriebes ab. Wenn Ihr Betrieb groß genug sein sollte, nutzen Sie die Chance und wählen Sie die Betriebsratsmitglieder, die freigestellt werden sollen.

    Die Stakeholder

    Über diese eher „klassischen“ Positionen im Betriebsrat hinaus, sollte es in jedem Betriebsrat Stakeholder geben, die für wichtige Themen der Betriebsratsarbeit zuständig sind. Die Stakeholder sollten ein großes Interesse am Ergebnis Ihrer Arbeit haben sowie eine hohe Motivation und ein großes Interesse zu Ihrem Themengebiet mitbringen. Wichtige Themen, für die es Stakeholder in Betriebsräten geben sollte, sind: Öffentlichkeitsarbeit, Arbeitsschutz, Personal, Arbeitszeit und Weiterbildung. 

    Neben der Position als Betriebsratsmitglied und den verschiedenen Positionen und Aufgaben innerhalb des Betriebsrats gibt es viele weitere Möglichkeiten die Positionen im Betriebsrat zu definieren. Es gibt eine Vielzahl von sogenannten Team-Rollenmodellen, die charakteristische und für den Teamerfolg wichtige Rollen beschreiben. Hierzu gehört z. B. das Modell der Teamrollen nach Belbin, der 9 Rollen in einem Team definiert hat. Bei dieser Rollenverteilung ist es im Gegensatz zu den Betriebsratsrollen allerdings nicht sinnvoll, die Rollen fest zu verteilen. Diese sind vielmehr von den Zielen und den konkreten Aufgaben abhängig.

    Häufige Fehler

    Die Wahl eines Betriebsratsvorsitzenden und eines Stellvertretenden ist in der Regel kein Problem und die Rollen sind in allen Betriebsräten schnell verteilt. Auch die Rolle als Schriftführer bzw. Protokollführer ist häufig schnell vergeben. Anders sieht es bei den Stakeholdern aus. Ohne Verantwortlichen kommen wichtige Themen häufig zu kurz, werden zäh und frustrierend. Umso wichtiger ist es, wichtige Betriebsratsthemen zu identifizieren und zu prüfen, ob ein Gremiumsmitglied sich dieser Aufgabe widmen möchte und Lust auf die Thematik hat.

    Checkliste zur Umsetzung: Positionen im Betriebsrat

    Damit die Rollenverteilung in Ihrem Betriebsratsgremium problemlos gelingt, nutzen Sie die folgende Checkliste: 

    • Wurde ein/e Betriebsratsvorsitzende/r gewählt? 
    • Wurde ein/e Stellvertretung gewählt? 
    • Besteht Einigkeit, ob ein Protokoll führender und ein Ersatz gewählt werden sollen? 
    • Falls kein Protokoll führender gewählt werden soll, wurde eine Regelung zur Protokollführung beschlossen?
    • Besteht die Möglichkeit, Betriebsratsmitglieder freizustellen? 
    • Wenn ja, wurden Betriebsratsmitglieder gewählt, die freigestellt werden sollen? 
    • Wurden wichtige Themenfelder identifiziert, denen sich der Betriebsrat widmen sollte oder widmen möchte? 
    • Wer sind die Stakeholder für die Themenfelder? 
    • Gibt es ein gemeinsames Verständnis über die Rolle des Betriebsrats gegenüber der Belegschaft? Gibt es Sorgen, Ängste, Zweifel im Hinblick auf die Rolle?
    Kategorien: BetriebsratsarbeitNeu im BR

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