Der gemütliche Küchentisch als neuer Arbeitsplatz, der Familienhund als Lieblingskollege des Monats und der Italiener um die Ecke anstelle der betrieblichen Kantinenkost – dass sich der Arbeitsalltag für viele von uns so schnell und so dramatisch ändern könnte, hätte sicherlich keiner erwartet.

Doch mit der Corona-Pandemie verschlug es bereits zu Beginn des Jahres viele Arbeitnehmer* vom Arbeitsplatz im Betrieb zur mobilen Telearbeit und insbesondere zum Modell des „häuslichen Home-Offices“. Vielerorts ist dieser Zustand mittlerweile Dauerzustand.

Neben den zahlreichen Herausforderungen, die mit dem Home-Office einhergehen, stellt sich auch immer drängender die Frage: Bei etwa 360 € Aufwandskosten pro Monat für ein angemessen und geeignet ausgestattetes Home-Office im eigenen Wohnbereich inklusive der Mehrkosten durch Strom, Heizung, etc.  – wer kommt dafür auf?

Mit diesem Beitrag erläutern wir,

  • wie Sie nicht auf diesen Kosten sitzen bleiben,
  • und stellen Ihnen eine Kalkulation zur Berechnung Ihrer Aufwendungen zur Verfügung.

Home-Office als "Versetzung"

Home-Office

Der Wechsel von einem betrieblichen Arbeitsbereich auf einen Arbeitsbereich in einem häuslichen Home-Office und umgekehrt, gilt rechtlich regelmäßig als Versetzung.

Denn die vorübergehende oder dauerhafte Beschäftigung in unserem Zuhause ist regelmäßig mit einer erheblichen Änderung der Umstände verbunden, unter denen die Arbeit zu leisten ist. Egal, ob es dort ein eigenes Büro oder nur den Küchentisch zum Arbeiten gibt – aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen und natürlich aufgrund der gesellschaftlichen Verantwortung (Pandemie) – musste das Arbeiten von zu Hause vielen Arbeitnehmern möglich gemacht werden.

Entstehung der (Mehr-) kosten

So ist zum Beispiel auch „Michelle“ seit März 2020 im Home-Office in ihrer Hamburger Wohnung und sitzt nicht mehr ausschließlich zu den Essenszeiten an ihrem Küchentisch. An den Arbeitstagen ist die Küche ihr neues Büro geworden: Die Steckdosen werden nicht mehr von ihrem Toaster und dem Wasserkocher, sondern von Laptop, Handy und einem nagelneuen Drucker belegt. Die Arbeitsbelastung der Kaffeemaschine hat sich vervielfacht und in der Abstellkammer liegen neuerdings Ersatzglühbirnen.

An Michelles Beispiel wird schnell klar, dass uns die Arbeit von zu Hause nicht nur vor organisatorische oder psychische Herausforderungen, wie der Einrichtung des Arbeitsplatzes oder dem Spagat zwischen Arbeit und Familie stellt, sondern auch vor eine finanzielle Mehrbelastung. In Michelles Fall liegen diese Kosten nach unserer Kalkulation für Strom, Wasser, Instandhaltung, Arbeitsmittel, etc. bei etwa 360 € im Monat! Jedenfalls, wenn sie „Musterfrau“ heißt, also den Durchschnitt repräsentiert. Und das gegebenenfalls zu Entgeltkürzungen aufgrund von Kurzarbeit.

Doch, übernimmt der Arbeitgeber die getätigten Aufwendungen?

Individualrechtlicher Ansatz:

Natürlich, wenn Michelle Ihren Rechtsanspruch nach § 670 BGB in Anspruch nimmt und nicht gleich die Anfrage des Arbeitgebers zu einer Arbeitsleistung im häuslichen Home-Office mit einem „Hurra“ begrüßt. Aber erstens kennt sie den Paragrafen nicht und zweitens, wer denkt stets und erst recht in Zeiten einer Pandemie an seine Rechte, fordert diese ein und setzt sie auch gegen den Arbeitgeber durch? Denn soweit keine arbeitsvertraglich bindende Regelung besteht, die dem Arbeitgeber ein Recht einräumt, bei Bedarf einen Arbeitnehmer zur Arbeitsleistung im Home-Office zu verpflichten, ist kein Arbeitgeber berechtigt, einseitig ohne Zustimmung eines Arbeitnehmers eine Beschäftigung im häuslichen Wohnbereich anzuordnen.

Soweit aber ein Einsatz im Home-Office freiwillig übernommen wird, sollte stets vorher mit dem Arbeitgeber der Ersatz der Aufwendungen abgesprochen und verbindlich festgeschrieben werden. Ansonsten geht der gesetzliche Aufwendungsersatz nach § 670 BGB teilweise oder sogar vollständig verloren!

Wenn allerdings im Betrieb ein Betriebsrat besteht und dieser seine Karten gut ausspielt, wird der Arbeitgeber regelmäßig den erforderlichen Aufwand für das häusliche Home-Office dem Arbeitnehmer erstatten.

Ansatzpunkte für den Betriebsrat:

Der Wechsel zur Telearbeit und insbesondere zur Leistung der Arbeit im häuslichen Home-Office erfolgt regelmäßig durch eine Versetzung. Deshalb bedingt eine solche personelle Einzelmaßnahme die vorherige Zustimmung des Betriebsrats. Ohne dessen Einverständnis darf grundsätzlich kein Arbeitnehmer von seinem betrieblichen Arbeitsplatz ins Home-Office versetzt werden. Diesen Umstand kann der Betriebsrat nutzen, um einen Fuß in die Tür zu bekommen und mit einem frist-, formgerechten und begründeten Widerspruch vernünftige Regelungen beim Arbeitgeber durchzusetzen.

Zudem kann der Betriebsrat zur Einhaltung des Arbeitsschutzes auch im häuslichen Arbeitsplatz auf ein allgemeines Überwachungsrecht zurückgreifen. Dieses Recht ermöglicht auf den ersten Blick zwar keinen unmittelbaren Spielraum für den Betriebsrat, den Arbeitgeber anzuhalten, eine Betriebsvereinbarung zum Home-Office abzuschließen und insbesondere zu einer Regelung über den Ersatz von erforderlichen Aufwendungen zu gelangen. Auf den zweiten Blick gibt es jedoch mehrere Wege, um als Betriebsrat einen Fuß in die Tür zu bekommen und Arbeitsbedingungen im Home-Office mitzubestimmen:

  • Regelungen zur Arbeitszeit, wie Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Pausen sowie Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage und der vorübergehenden Verlängerung (Überstunden) oder Verkürzung (Kurzarbeit) der Regelarbeitszeit,
  • Regelungen zur Einführung und Anwendung von technischen Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, das Verhalten oder die Leistung des Arbeitnehmers zu überwachen,
  • Regelungen über die Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten sowie über den Gesundheitsschutz,
  • Regelungen zur Sicherung arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse bei Änderungen der Arbeitsplätze, des Arbeitsablaufs oder der Arbeitsumgebung und
  • Regelungen zur Förderung der beruflichen Qualifizierung, soweit sich die Anforderungen an die Tätigkeit am Telearbeitsplatz ändern und die Kenntnisse und Fähigkeiten des Telearbeitnehmers nicht ausreichen, um die neuen Arbeiten und Aufgaben zu erfüllen.

Die vorstehenden Mitbestimmungsrechte verschaffen einem Betriebsrat die Möglichkeit, die Tür zu einer Vereinbarung einen Spalt breit zu öffnen, um den Arbeitgeber anzuhalten, den Ausgleich oder die Milderung erforderlicher Aufwendungen zu übernehmen oder sogar in einer Betriebsvereinbarung „Home-Office“ zu regeln.

Unser Excel-Kalkulation für Hamburg

Nutzen Sie zur Berechnung der Höhe des Aufwandes gerne unsere Excel-Kalkulation, die Sie hier downloaden können. Die Kalkulation bezieht sich auf ein häusliches Home-Office in Hamburg und die damit einhergehenden durchschnittlichen Kosten, die in Verbindung mit Miete, Nebenkosten, Heizung, Strom, Wasser, Reinigung, Instandhaltung, etc. anfallen. Da diese Kosten je nach Bundesland und Stadt variieren, sollten Sie diese entsprechend anpassen.

Weitere Vorteile einer Betriebsvereinbarung:

Steht die Betriebsvereinbarung erst zur Diskussion, kann der Betriebsrat viele weitere Aspekte, wie z. B.  individueller Anspruch auf dauerhafte oder zeitlich begrenzte Telearbeit, (Mindest-) Ausstattung und Zugang des häuslichen Home-Office, Aufzeichnung der Arbeitszeit, Anwesenheiten im Betrieb, Reisekosten, berufliche Weiterbildung ebenfalls berücksichtigen und vereinbaren. In unserem Webinar „Betriebsvereinbarung zu Telearbeit und Home-Office“ erfahren Sie mehr zur praktischen Umsetzung.

Neues Webinarangebot:

Home-Office: Kosten und MItbestimmung

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*In diesem Beitrag wird aus Gründen der Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Weibliche und anderweitige Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint

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