Jede Zusammenarbeit ist schwierig, solange den Menschen das Glück ihrer Mitmenschen gleichgültig ist.  (Dalai Lama)

Zur neuen Amtsperiode stellt sich für Betriebrät*innen die Frage, wie aus den Individuen ein Team werden kann. Insbesondere zu diesem Zeitpunkt verändert sich das Betriebsratsteam statistisch gesehen stark: Nur ca. 60 % der alten Mitglieder bleiben erhalten, 40 % der Mitglieder werden durch neue Anwärter*innen ersetzt. In Betrieben in denen erstmalig ein Betriebsrat gewählt wird, starten die Teams bei null. Doch auch abseits der Wahlen kommt es immer wieder dazu, dass sich bestehende Teams nach dem Austritt von Betriebsrät*innen oder Neuzugängen neu finden müssen. Warum es so wichtig ist als Team zusammen zu wachsen und wie das gelingen kann, erfahren Sie hier.

Der Anfang: Warum sind wir hier eigentlich zusammen?

Gruppen entwickeln sich aufgrund von Problemen, die sie gemeinsam bewältigen müssen (problemdeterminierte Systeme) und müssen einen gemeinsamen Sinn oder Zweck finden. Für Betriebsräte liegt es theoretisch auf der Hand, dass sie sich für die Interessen der Belegschaft einsetzen wollen und die Arbeitsbedingungen in ihrem Sinne verbessern wollen. In der Praxis unterscheidet sich die Antwort auf die Frage „Warum sie wir hier eigentlich zusammen?“ von Betriebsrat zu Betriebsrat. Häufig hat jedes Betriebsratsmitglied auch seine eigene Antwort auf diese Frage was die Teamentwicklung wiederum behindern kann.

Gruppendynamiken verstehen:

 Ein gemeinsamer Sinn oder Zweck ist der Ausgangspunkt. Doch neben dieser zentralen Frage, gibt es in Gruppen zwei weitere Ebenen: Die persönliche Ebene und die Gruppenebene.

Persönliche Ebene

Auf der persönlichen Ebene geht es um Erwartungen und Bedürfnisse des Individuums, die Teams immer unterschwellig beschäftigen, denen gewöhnlich aber keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Sind sich Teammitglieder ihrer eigenen Bedürfnisse und Erwartungen nicht bewusst oder können Sie diese nicht offen kommunizieren, ist eine Findung im Team durch permanente Frustration dieser Bedürfnisse und Erwartungen kaum möglich. In der Folge blockiert die persönliche Ebene dann unausgesprochen die Erfüllung des gemeinsamen Sinns und Zwecks. Neben dem Wunsch gesehen und geschätzt zu werden, Bedürfnissen, wie Sicherheit oder Ordnung, stellen sich Teammitglieder auch Fragen, wie: Welchen Platz habe ich? Wann werde ich hier akzeptiert? Was wird von mir erwartet? Wer hat hier das Sagen? Wem kann ich vertrauen? Wer ist mir sympathisch bzw.  unsympathisch?

Gruppenebene

 Auf der Gruppenebene dreht sich hingegen alles um Strukturen, Rollen und Beziehungen. Die Gruppenebene kann man sich beispielsweise mit verschiedenen Theorien und Modellen angucken, um ein besseres Verständnis für die bestehende Dynamik im Betriebsratsteam zu erhalten. Gleichzeitig schafft es Verständnis dafür, welche Prozesse in einer bestehenden Gruppe angestoßen werden können, wenn neue Mitglieder hinzukommen oder andere Mitglieder austreten. Denn jedes Teilelement des Systems (Betriebsrat-Team) ist mit allen anderen vernetzt. Wird ein Teilelement geändert, wird das Gesamtsystem verändert. Gruppendynamiken können mit Hilfe des Rangdynamik Modells betrachtet werden. Nach diesem Modell gibt es in jeder Gruppe ein Alpha (das Leittier, das den Ton

angibt), ein Beta (Stufe unter dem Alpha, unterstützt das Alpha bei seiner Herrschaft) sowie Gammas (Mitläufer, die Sicherheut und Anerkennung erhalten und den Alpha unterstützen). Hinzu kommt die Omega-Position, die den Antagonisten zur Alpha-Position bilden. Sie haben das Potenzial ein neues Alpha zu werden, bringen häufig unkonventionelles verhalten in die Gruppe und sind dadurch häufig auch Auslöser für Gruppendynamik. Hinzu kommen Stabilisierungsmechanismen, auf die wir hier nicht weiter eingehen wollen. Wichtig ist noch, dass jede Rolle in der Gruppe eine sinnvolle Funktion in der Gruppe übernimmt auch, wenn diese in der Praxis auf den ersten Blick manchmal nicht erkannt oder verstanden wird.

Für erfolgreiche Teams gilt es beide Ebenen zu berücksichtigen, wenn es um die Erfüllung ihres Sinns oder Zwecks geht. Hier entstehen zwischenmenschliche Konflikte, die Spannungen in das Miteinander bringen und Konflikte auslösen können.

 

Neue Gruppenmitglieder aufnehmen:

Persönliche Ebene

Kommen neue Mitglieder in den Betriebsrat geschieht dies nicht ohne Folgen. Schließlich ist der Betriebsrat bis dato ein recht geschlossenes System mit eingespielter Gruppendynamik und einem „wir“-Gefühl. Die Integration in den Betriebsrat gelingt am besten, wenn beide Ebenen berücksichtigt werden. Auf der persönlichen Ebene sollte sich der bestehende Betriebsrat Zeit nehmen, sich kennen zu lernen. Überlegen Sie sich z. B. ein Ritual oder eine Regel wie neue Mitglieder eingeführt werden, z. B.  mit einem Einstand nach der Arbeit. Das ist nicht nur wichtig, um Teil des Teams zu werden, sondern auch, um Teil des Teams zu bleiben. Finden Sie Gemeinsamkeiten und bauen Sie Vertrauen auf. Bei der ersten Betriebsratssitzung sollte sich Zeit genommen werden alle Betriebsratsmitglieder vorzustellen, erste Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen und die neuen Kollegen*innen willkommen heißen.

EWALD & Partner GbR - Arbeitnehmer*innen Betriebsrat

Gruppenebene

Auch ein Mentoren oder Buddy-Programm eignet sich am Anfang. Der Buddy ist in den ersten paar Wochen oder Monaten der Ansprechpartner für die neue Kolleg*in und nimmt sich Zeit für Fragen und persönlichen Austausch. Gleichzeitig bietet es sich an den Neuankömmling am besten am Anfang dort einzusetzen, wo er/sie auf bestehende Fähigkeiten und Kompetenzen aufbauen kann. Wenn das neue Teammitglied einen wichtigen Beitrag leisten kann und Arbeit übernehmen kann, entsteht automatisch Respekt und Wertschätzung. Da die Betriebsratsarbeit als neues Aufgabenfeld allerdings eine Vielfalt an Anforderungen mitbringt, sollte auch der Besuch von Schulungen kurzfristig geplant werden. Richtig erfolgreich wird der Neuankömmling vermutlich erst mitarbeiten können, wenn die Grundlagenschulungen besucht wurden. Vergessen Sie nicht die Basisinformationen zu vermitteln: Öffnungszeiten des BR-Büros, Zugangsdaten, Datum und Uhrzeiten der nächsten Termine, etc. Umso methodischer und planvoller die Einarbeitung ist, desto schneller gelingt die Integration.

Als neuer Betriebsrat zusammenfinden:

Als neuer Betriebsrat beginnt man bei null. Wie bei der Integration eines neuen Teammitglieds macht es auch hier Sinn die persönliche und die Gruppenebene zu berücksichtigen. Nach einem ersten kennen lernen, werden im ersten Schritt ebenfalls die gemeinsamen Ziele, aber auch Regeln definiert. Die Regeln können beispielsweise Eigenschaften, wie Pünktlichkeit, Verantwortungsbewusstsein oder Ordnung betreffen. Legen Sie bspw. fest, welche Kommunikationskanäle Sie nutzen wollen, wie Ihre Feedbackkultur aussehen soll, wann welche Meetings stattfinden, etc. Auch wichtig ist ein gemeinsames Verständnis, was in den BR-Sitzungen erfolgen soll/muss und was in der Zeit außerhalb (in Arbeitsgruppen, Ausschüssen oder schlicht als Vorbereitung auf die BR-Sitzungen) erfolgen soll [Arbeitsweise, Identität]. In jedem Team treten im Laufe der Zeit Unstimmigkeiten auf, das ist ganz normal. Lassen Sie diese Konflikte zu und finden Sie Lösungen, die die Bedürfnisse aller Konfliktparteien befriedigt. Vermeiden Sie Angriffe auf persönlicher Ebene und nutzen Sie unterschiedliche Kommunikationstechniken, wie z. B. die gewaltfreie Kommunikation. Neben der Art und Weise wie wir kommunizieren gehört auch der regelmäßige Austausch dazu. Nutzen sie regelmäßige Betriebsratssitzungen, um diesen zu fördern. Es kann helfen einen Konfliktmechanismus festzulegen – also auf welche Art und Weise Konflikte im Betriebsrat miteinander gelöst werden. Jedes Teammitglied sollte in seiner Rolle einen eigenen Verantwortungsbereich haben. Nutzen Sie dafür die Stärken und Fähigkeiten der Teammitglieder. Wichtige Punkte für die Verteilung von Aufgaben sind z. B. Fachkompetenz, soziale Kompetenz, Methodenkompetenz und persönliche Kompetenz. 

Wenn die Teamentwicklung schwierig ist:

Die Findung im Team ist meistens gar nicht so leicht. Betriebsräte werden nicht so zusammengestellt, dass sie sich besonders gut ergänzen. Hinzu kommt, dass auch Konflikte zur Tagesordnung von Betriebsräten gehören. Entsprechend durchlaufen Betriebsräte auch immer wieder verschiedene Phasen (hier: nach Tuckman) im Team. Phasen der Orientierung (Forming) und der Konfrontation (Storming) wechseln sich ab mit den Phasen, in denen alles geregelt zu sein scheint (Norming) oder in denen es gerade richtig gut läuft (Performing).

Die Möglichkeiten, die sich Betriebsräte hier zu Nutze machen können, sind vielfältig: Ein Schulungsbesuch hilft die Kommunikation zu verbessern und einen offenen und wertschätzenden Umgang miteinander zu finden. Hier eignet sich beispielsweise die gewaltfreie Kommunikation, um Konflikte zu lösen und diesen nachhaltig vorzubeugen. Gleichzeitig wird eine Offenheit für neue Teammitglieder erleichtert. Zum Thema “Gewaltfreie Kommunikation” können Sie bei uns Inhouse-Seminare besuchen. Neben diesem Angebot bietet sich das Seminar “Betriebsrat als Team” an. Eine offene Kommunikation ist das A und O erfolgreicher Teamarbeit. Auch eine Mediation, Klausurtagung oder Coaching  kann helfen, um zueinander zu finden. Nicht zu vergessen sind sicherlich die zahlriechen Teambuilding Maßnahmen, die sich im Internet finden lassen, um den Teamgeist zu stärken.

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